Weihrauch - der Zusammenhang zwischen 5-Lipoxygenase, Cathepsin und Boswelliasäure
Die Weihrauchstraße ist eine der ältesten Handelswege der Welt. Es wird vermutet, dass
bereits im zehnten Jahrhundert vor Christus dieser Handelsweg zum Transport des
Weihrauchharzes genutzt wurde.
Wer auch immer das begehrte Harz produzierte, mit ihm handelte, es beförderte oder
einfach nur über Land an der Weihrauchstraße verfügte, konnte damit sehr wohlhabend und
mächtig werden, da zum Beispiel im antiken Rom das Weihrauchharz mit Gold aufgewogen
wurde.
Das Harz galt in fast allen Kulturen der antiken Welt als besonders kostbare Opfergabe.
Sowohl bei den ägyptischen Pharaonen als auch im alten Griechenland diente die
Räucherung des Harzes als Element der Kommunikation mit den Göttern.
Weihrauch in der Medizin
Mit der Verbreitung des Islams in den Herkunftsregionen des Weihrauchs bekam das Harz
eine andere Bedeutung. In der islamischen Welt wurde das Harz nicht zu religiösen, sondern
zu medizinischen Zwecken eingesetzt.
Die traditionelle Medizin des Orients und Indiens (Ayurvedische Medizin) verwendete
Weihrauch in sehr vielfältiger Weise. Im besonderen Fokus standen aber schon damals
vorwiegend entzündliche Erkrankungen, so dass Weihrauch insbesondere zur Behandlung
von Erkrankungen des Magen-Darms, der Haut oder der Atemwege diente.
Während in der ägyptischen Medizin der Antike Weihrauch auch bei rheumatischen
Erkrankungen zum Einsatz kam, spielte das besondere Harz in Europa erst in der
mittelalterlichen Klostermedizin eine Rolle. Hildegard von Bingen setzte Weihrauch bei z. B.
Tinnitus und Schwerhörigkeit ein.
Ab 1827 wird Weihrauch im Deutschen Arzneibuch aufgeführt, jedoch verschwand es nach
1941 wieder, da zu Beginn des 20. Jahrhunderts der allgemeine Trend bei Arzneimitteln hin
zu chemisch definierten Einzelstoffen ging. Erst in jüngerer Vergangenheit erwachte das medizinische Interesse am Weihrauchharz
wieder.
Die Pflanze
Die Weihrauchbäume sind spärlich belaubte, knorrige Bäume oder Sträucher mit einer
Wuchshöhe von 1,5 bis 8 Meter. Sie wachsen in Trockengebieten um das Horn von Afrika
(Somalia, Äthiopien, Eritrea, Sudan), in Arabien (Oman, Jemen) und in Indien. Ihre Rinde
blättert papierartig ab und sie bilden Blütentrauben, die bis zu 25 cm lang werden.
Die Gattung der Weihrauchpflanze (Boswellia) gehört zur Familie der Balsambaumgewächse
(Burseraceae) und es gibt insgesamt ca. 25 Boswellia-Arten.
Die wichtigsten Boswellia-Arten für die medizinische Anwendung sind: Boswellia serrata
(Nord- und Zentralindien), Boswellia sacra (= Boswellia carterii; Somalia, Oman, Jemen) und
Boswellia papyrifera (Äthiopien, Eritrea).
Das Harz besteht aus dem ätherischen Öl, welches bei der Verräucherung dem Weihrauch
seinen typischen Duft verleiht, den Schleimstoffen, wodurch das Harz seine klebrige
Konsistenz erlangt und den zwei wichtigen pharmakologischen Wirkstoffgruppen aus
Harzsäuren (vor allem Boswelliasäuren) und Neutralbestandteilen.
Der aktuelle Wissensstand
Lange Zeit war durch therapeutische Erfahrungswerte bekannt, dass Weihrauch eine
antientzündliche Wirkung hat. Der erste wissenschaftliche Anhaltspunkt für die
antientzündliche Wirkung war die Entdeckung, dass ein Schlüsselenzym für
Entzündungsreaktionen (die 5-Lipoxygenase) von den Boswelliasäuren gehemmt wird.
Die 5-Lipoxygenase führt im Körper zur Bildung entzündungsfördernder Leukotriene.
Dadurch wird die Entzündung ausgedehnt und auf Dauer das beteiligte Gewebe geschädigt.
Jedoch wurde nach weiterer, intensiver Forschung deutlich, dass die Hemmung der 5-
Lipoxygenase nicht der einzige Mechanismus sein kann, der zu der beobachteten
antientzündlichen Wirkung führt. So machte man sich auf die Suche nach neuen, weiteren
Wirkmechanismen.
Sehr bedeutend war die Erkenntnis, dass Cathepsin G durch Boswelliasäuren gehemmt
wird. Cathepsin G kommt in besonderen Immunzellen vor (sog. neutrophilen Granulozyten)
und baut wichtige Strukturproteine (z.B. Elastin, Kollagen) ab. Somit können Immunzellen in
das Gewebe eindringen mit der Folge, dass sich das Gewebe entzündet. Eine Hemmung
von Cathepsin G kann somit zu einem Rückgang der Entzündung z. B. der Haut führen.
Grundlage einer Wirkung ist immer, dass der Wirkstoff bis zum Wirkort vordringen kann.
Bekannt ist das Boswelliasäuren über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden
können. Eine Aufnahme der Säuren über die Haut ist aber ebenso plausibel, da es sich um
gut fettlösliche Substanzen handelt, die dadurch die lipidhaltige Schicht der Hornhaut gut
überwinden können. Des Weiteren ist die Hornhaut bei entzündlichen Hauterkrankungen
deutlich besser durchdringbar als bei gesunder Haut.
Somit ist die dermale Anwendung von Weihrauchprodukten eine interessante Möglichkeit
Patienten, die z. B. durch Neurodermitis oder Psoriasis (Schuppenflechte) an trockener,
juckender und geröteter Haut leiden, eine wirkungsvolle, therapiebegleitende
Pflegebehandlung aufzuzeigen.
Fragen zum Thema Weihrauch beantwortet Ihnen fachkundig Herr Ertelt von der Heidelberg-Apotheke:
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