Gewürze der Hildegardküche
Wer sein Leben lang nur Pfeffer und Salz zum Würzen verwendet, hat bestimmt keine feine Zunge mehr, sondern verkümmerte Riech- und Geschmacksorgane, weil er seine Sinne gar nicht trainiert hat. Darüber hinaus hat er vermutlich eine schlechte Durchblutung aller Organe und einen eingetrockneten Darm.
Hildegard sagt dazu:
"Wenn der Mensch ißt und trinkt, dann lenkt ein im Menschen angelegtes lebendiges Leitungssystem den Geschmacksstoff und den Feinsaft und den Duftstoff davon dem Gehirn zu und fördert seine Durchwärmung (Durchblutung, Sauerstoffumsatz), indem er dessen Gefäßwärme ausfüllt... und auch Herz, Leber und Lunge saugen von diesem Schmackstoff, Feinstoff und Duftstoff etwas in ihre Gefäßräume ein, so daß sie davon angefüllt, angebrütet und ernährt werden wie ein alter, ausgetrockneter Darm, wenn man ihn ins Wasser legt, davon weich und voll wird..."
Das Wissen um die Heilkraft der Gewürze und Kräuter ist durch die Überbetonung von Kalorienzählerei und Vitamintabellen fast verlorengegangen. Dabei bringen die Gewürze im Essen nicht nur eine willkommene Abwechslung einer faden Küche, sondern auch eine gute Verdauung und Durchblutung.
Bereits 812 hat Karl der Große durch einen Erlaß (Capitulae Caroli Magni de villis) in seinem Sankt Galler Klosterplan den Anbau von nützlichen Kräutern in jedem Kloster vorgeschrieben, und durch Hildegard kennen wir die vielseitigen Heilkräfte, die in den Kräutern und Gewürzen stecken. Lassen wir uns von Hildegard durch unseren Kräutergarten führen, denn "die Seele ist wie ein Wind, der über die Kräuter weht".
Am intensivsten entfalten Kräuter und Gewürze ihre aromatischen Düfte, wenn man sie unmittelbar vor der Verwendung mit einer Gewürzmühle oder - insbesondere die Kräuter - zwischen den Händen zerreibt.



